Der spirituelle Weg

ist in meinem Verständnis zuerst einmal ein Weg mitten hinein ins Menschsein. Den Körper zu bewohnen, Gefühle zu fühlen, Erfahrungen zu machen, – wenn wir uns ganz einlassen auf dieses Leben, dann spüren wir unser Leiden. Das ist Teil des Menschseins. Meistens besteht unser Leben darin, unserer inneren Wunde und damit unserem Leiden auszuweichen, möglichst zu verhindern, dass es weh tut und wir an Grenzen stoßen. Doch der innere Weg lehrt uns, genau da hinzugehen, wo es intensiv wird, denn dort können wir lernen, heilen, wachsen und etwas über unser wahres Menschsein herausfinden.
Für die meisten Menschen ist es ungewohnt, die Aufmerksamkeit wirklich nach innen und auf sich selbst zu richten. Wir sind absorbiert vom Tun und Machen und müssen oft erst lernen, uns den Wert und die Stille zu schenken, nach innen zu lauschen und die inneren Augen zu öffnen. Ein innerer Weg ist in erster Linie eine Haltung der Aufmerksamkeit – und nicht ein „spirituelles Leben“ nach bestimmten sichtbaren Maßstäben. Wenn wir unseren Blick nach innen wenden, verwandelt sich mit der Zeit unsere Sicht und wir beginnen Unterscheidungskraft zu entwickeln – eine wesentliche Qualität des inneren Weges.

"Wir sehen so tief, wie wir fallen. Wir fallen so tief, wie wir loslassen." (OM C. Parkin)

Innere Arbeit

Wir legen das frei, was wir wirklich sind, indem wir aufdecken und erkennen, was wir nicht sind. Unser wahres Wesen ist überlagert durch unseren Geist, durch ein Ich, für das wir uns halten, eine ganz bestimmte Sicht von uns selbst und dem Leben, die wir unbewusst übernommen haben. Irgendwann früher oder später stoßen wir an die Grenzen dieser Ich-Welt und verspüren Leiden. Vielleicht haben wir Beziehungsprobleme oder fühlen uns ohnmächtig und kraftlos, vielleicht haben wir viel Angst im Leben oder leiden an Minderwert und Zurückgezogenheit. Gleichgültig, was unser Problem ist, wir können es zum Anlass nehmen, nicht in erster Linie die äußere Situation als Ursprung zu verstehen, sondern uns selbst zu fragen: Was ist mein Missverständnis über mich und damit das Leben? Woran glaube ich? Wofür halte ich mich, andere Menschen, das Leben selbst?
Das ist der Beginn von Innerer Arbeit. Wir erforschen unseren Geist, lernen zu hören, was er sagt, und fühlen, welche leidvollen Konsequenzen das für uns hat. Anders als wir „Arbeit“ sonst vielleicht kennen, müssen wir sie nicht tun (z.B. um uns selbst zu „verbessern“). Sie ist einfach Ausdruck einer Hinwendung zu uns selbst: uns in unserem Leiden ernst zu nehmen; unserem Sehnen nach Liebe und Wahrheit Raum zu geben; Unterscheidungskraft zu entwickeln; unser menschlichen Potenzial entfalten und leben zu wollen.
Indem wir unsere Identifikationen sehen und durchdringen, legt sich das in uns frei, was wir wesenhaft und natürlich sind. Es muss nicht „erarbeitet“ werden, denn es ist einfach da und zeigt sich, drückt sich aus, überraschend und frisch.

Heilung und Entfaltung

Es gibt grundlegend zwei innere Bewegungen, die uns auf dem Weg begleiten. Eine nach innen führende, in die Tiefe, Dunkelheit und nach unten fließende, regressive Bewegung. Und eine nach außen, oben, in die Weite und ins Lichte führende, sich entfaltende Bewegung. Wir spüren es z.B. in Phasen, wo wir mehr als sonst mit alten Wunden, kindlichen Gefühlen oder auch körperlichen Einschränkungen in Kontakt sind. Während in anderen Momenten unsere Entfaltung im Vordergrund steht, die Kraft zu leben, etwas Neues auszuprobieren, sich auszudrücken. Beides kommt natürlicherweise vor in uns und auf unserem Weg, die Heilung, ein weibliches Prinzip, und die Entfaltung, ein männliches Prinzip (unabhängig vom Mann – oder Frausein).
Die Heilarbeit z.B. in Form der Heilkreise, die ich anbiete, lädt Menschen ein, dieser Bewegung nach innen und zur inneren Wunde vertrauensvoll zu folgen. Da wir zunehmend in einer Welt leben, in der alles Sichtbare, Machbare, das Weiterwachsen, das Größer – und Höherwerden die einzige Wirklichkeit ist, braucht die Bewegung nach innen, in die Tiefe und Dunkelheit einen bewussten Platz. Heilung ist ein Integrationsprozess, in dem das wieder als Teil von uns wahr- und angenommen wird, was abgespalten war. Die Wunde, das „Unheil“, das wir fühlen, ist nichts, was uns wirklich fehlt, weggenommen oder angetan worden ist, auch wenn sich das im ersten Moment so anfühlt. Wir selbst wollten etwas nicht mehr fühlen, erleben, sehen und können nun zulassen, dass nach und nach alles zurückkommt, was Teil der Wirklichkeit und Teil von uns selbst ist. Dann ist die Entfaltung unseres Wesens eine ganz natürliche Folge der inneren Fülle und Kreativität, die sich ausdrückt und unser Leben formt. Die Bereitschaft zu handeln, Entscheidungen zu treffen, sichtbar zu werden, sich auszudrücken ist wesentlich, damit innere Erkenntnis sich wirklich verkörpert und zur gelebten Realität wird.

Meine Arbeit verstehe ich als einen Raum, in dem all dies geschehen kann. Mit unterschiedlichen Themen, Menschen, an verschiedenen Orten – alles dient der Heilung und Entfaltung.